Die Kehrseite der Sonnentage

Foto: Kreiswerke Main Kinzig Kreis e.V.

Über die Anzahl der Sonnenstunden kann man sich aktuell nicht beschweren. Der Wasserversorgungsbranche bereiten sie allerdings Kopfzerbrechen, denn schon der Sommer 2018 war extrem heiß und trocken.

Heiße Sommer seien an sich nicht ungewöhnlich, doch war der vergangene in dieser Hinsicht tatsächlich ein Jahrhundertsommer und diese extremen Trockenzeiten träten zudem immer öfters auf, so die Kreiswerke Main-Kinzig GmbH. Das stelle die Branche vor Herausforderungen, auf die das regionale Versorgungsunternehmen in diesem Presseartikel detailliert eingeht.

2018 war ein Jahr mit einer ungewöhnlich lang anhaltenden Hitzeperiode über den ganzen Sommer, bis in den Spätherbst hinein. Die üblichen Niederschläge und Sommerregen blieben während dieser Phase weitgehend aus. Doch gerade versickernde Niederschläge seien es, die die Grundwasserspeicher füllen, aus denen auch die Kreiswerke Main-Kinzig das Trinkwasser für die Region fördern. Blieben Herbst und Winter nach einem heißen Sommer ebenfalls vergleichsweise trocken, wie es zuletzt der Fall war, könnten die Reserven für die nächste lange Trockenzeit nicht im notwendigen Umfang gespeichert werden. Eine weitere Erschwernis sei die Trägheit des ökologischen Systems rund um die Wassergewinnung. Denn bis Regenwasser durch die verschiedenen Erdschichten in das Grundwasser versickert sei und wieder „gewonnen“ werden könne, dauere es üblicherweise mehrere Wochen und Monate. Deshalb seien auch kurze Regenphasen nur der so genannte „Tropfen auf den heißen Stein“ und nicht in der Lage, den Grundwasserhaushalt wesentlich zu beeinflussen. Jetzt sei auch der Frühling wieder überdurchschnittlich trocken, was der Regionalversorger als ein Alarmsignal für die Wasserversorgungsbranche wertet. „Im Vergleich haben die Niederschläge seit letztem Herbst ca. 30% unterhalb des langjährigen Mittelwertes gelegen, was eindeutig zu wenig ist, um das Niederschlagsdefizit des letzten Sommers auszugleichen“, so Björn Schmidt, Betriebsingenieur für den Bereich Trinkwasser bei den Kreiswerken. Dies führe im Ergebnis gebietsweise zu erheblich niedrigeren Grundwasserständen. „Ohne unser weitreichendes Verbundnetz, mit dem wir in der Lage sind, größere Wassermengen über das gesamte Versorgungsgebiet zu verteilen und lokale Engpässe zu kompensieren, wäre es im letzten Jahr um einiges schwieriger geworden, die Situation zu beherrschen“, so Björn Schmidt. Auch die entsprechend dimensionierten Speicherkapazitäten der Hochbehälter hätten dazu beigetragen, die Tageslastspitzen abzufangen und einen kontinuierlichen Betrieb zu ermöglichen.

Wie das Wetter in der Zukunft aussieht und ob ausreichend Niederschlag fallen wird, könne selbstverständlich niemand mit ausreichender Genauigkeit sagen. Daher gelte es, die kurz- aber auch langfristige Wetterentwicklung weiterhin sehr genau zu beobachten, um daraus Handlungsmaßnahmen für die Zukunft ableiten zu können. Dies spiegele sich vor allem in einem fortlaufenden Monitoring der Grundwasserpegel und Niederschläge in Kombination mit den Verbrauchsdaten wider. Daher beobachten die Techniker der Kreiswerke die Wetterentwicklung kontinuierlich, messen Niederschlagsmengen sowie Grundwasserpegel in Abstimmung mit Partnern und Behörden und leiten hieraus Maßnahmen ab. Dazu gehöre die kontinuierliche Erneuerung der Infrastruktur, die fortwährende Analyse der vorhandenen Systeme und der Kapazitäten zur Wassergewinnung und nicht zuletzt der langfristige Netz- und Anlagenausbau.  

Zu den Herausforderungen kämen steigende Bedarfsprognosen durch neue Baugebiete. Es gelte nun, die Versorgungssysteme an die Bedarfsspitzen anzupassen, die sich aus der Kombination von Bevölkerungszunahme und der erhöhten Abnahmemenge während heißer, trockener Sommer ergäben. So seien in den nächsten Jahren Investitionen von mehr als 10 Millionen Euro für die Sanierung und Erneuerung von Quellfassungen, Sammelbrunnen, Speicherbecken und Pumpstationen vorgesehen.

Aber auch die Vermeidung unnötiger Wasserverluste im Netz spiele eine große Rolle. Täglich würden die Verbrauchsdaten der einzelnen Kommunen und Gebiete mit modernster Fernwirktechnik auf Auffälligkeiten hin untersucht und bei Unregelmäßigkeiten werden direkt Maßnahmen ergriffen, um die Lage vor Ort zu untersuchen. Eventuelle Schäden würden somit effizient analysiert und direkt behoben, bevor große Wassermengen ungenutzt wegfließen könnten.

Da das sich verändernde Klima kein lokal begrenztes Phänomen darstelle, könne man nicht erwarten, dass temporäre Engpässe stets von vorgelagerten Fremdwasserlieferanten ausgeglichen würden, weil diese zunehmend in die gleiche Situation kämen. Daher müsse man langfristig vielmehr die eigene Wasserversorgung im Main-Kinzig-Kreis sinnvoll erweitern, aber auch im Kontext einer rationellen Verwendung des Trinkwassers weiterdenken. „Gegenwärtig sind die hydrogeologischen Bedingungen sowohl in den eigenen Gewinnungsgebieten der Kreiswerke als auch bei deren Vorlieferanten noch gegeben, um den aktuellen Bedarf im Versorgungsgebiet zu decken“, so Björn Schmidt. Da die Grundwasserpegel jedoch spürbar zurückgegangen seien, rufen die Kreiswerke vorsorglich zu einem bewussten und vorausschauenden Umgang mit den lokalen Trinkwasserressourcen auf. Gerade hier liege noch einiges an Potential. Dass das „gute“ Wetter natürlich die Trinkwasserverbräuche der Bevölkerung in die Höhe treibt, habe das Versorgungsunternehmen in den letzten sonnigen Wochen rund um Ostern vermehrt feststellen können. Gründe hierfür seien die vermehrte Bewässerung von Grünanlagen und Sportplätzen aufgrund des trockenen Frühjahrs, sowie das Füllen von Schwimmbädern und privaten Pools für den Frühsommer.

Gerade jetzt könne etwa stärker darauf geachtet werden, wann besser Regenwasser statt Trinkwasser zu nutzen sei. Etwa für die Rasenbewässerung im privaten Bereich, die Toilettenspülung aber auch die Aufbereitung und Wiederverwendung von Betriebswässern im industriellen Bereich.

Björn Schmidt fasst abschließend zusammen: “Durch unser Konsumverhalten beeinflussen wir alle, wie sich unsere natürlichen Ressourcen entwickeln. Und Ressourcenschutz funktioniert nur dann, wenn möglichst viele mitmachen.“

 

Noch keine Bewertungen vorhanden