Rehbein-Musiker übertreffen sich selbst

Kapitän Frank Hagelstange und der Chor ab Klasse 7 sowie der Chor der Freunde der KRS nehmen das Publikum während der KRS-Sommerkonzerte mit auf Weltreise. Auch New York gehört zu den musikalischen Stationen. Foto: KRS

Selten hat man ein Sommerkonzert der Karl-Rehbein-Schule Hanau (KRS) derart abwechslungsreich und dabei zeitgleich auf hohem Niveau erlebt, wie in diesem Jahr. Vor zweimal ausverkauftem Congress Park liefen die jungen Musikerinnen und Musiker der KRS zur Hochform auf, wuchsen stellenweise über sich selbst hinaus und legten somit einen glanzvollen Schuljahresabschluss auf die Bühne.

Das Programm spannte einen Bogen von der venezianischen Mehrchörigkeit über irische Chorstücke und prachtvollen wie schwungvollen Bläserwerken bis hin zu cineastischen wie symphonischen Klangwelten.

Dass sich einmal mehr, wie KRS-Direktor Jürgen Scheuermann bei seiner Begrüßung ausführt, die enge Zusammenarbeit der KRS mit der Paul-Hindemith-Musikschule Hanau (PHM) auszahlt, beweist nicht nur der Auftritt der KRS-Gitarren-AG „Viel-Saitig“ unter Leitung von Christian Gutgesell (PHM), die zusammen mit KRS-Orchestermitgliedern mit „Fluch der Karibik“ in die abenteuerliche Welt der Piraten abtaucht. Zuvor übernimmt der Musikleistungskurs Q 2 von Jens Weismantel die Eröffnung des Konzertreigens mit „Canzon primi toni à 8“ des Venezianers Giovanni Gabrieli, fast stilecht auf dem Balkon des CPH in zwei Gruppen geteilt als Frage- und Antwortspiel intoniert.

Die Jahrgangschöre der Klassen fünf und sechs traditionell mit Unterstützung des Chores der Elisabeth-Schmitz-Schule unter der Gesamt-Leitung von Sophia Schüller entführen die Zuhörer auf die irische Insel mit fröhlichen Shantys, rhythmisch unterstützt von der jungen KRS-Schlagwerker-Truppe, die Daniel Ulb anleitet. Auf bunten Bobby-Cars brausen die diesjährigen Abiturientinnen und Musik-Leistungskurs-Schüler und -Schülerinnen Q 4 auf die Bühne, um zusammen mit Frank Hagelstange das Stück „Another Day of Sun“ aus dem Oscar-prämierten Film „La La Land“ darzubieten. Ein rhythmisch-expressives Feuerwerk entzündet die KRS-Big-Band unter Leitung von Stephan Glück. Mit einer für eine Schüler-Big-Band nicht zu erwartenden Dynamik eingekleidet in höchster Klangdisziplin setzen die jungen Musiker einen der Glanzpunkte des KRS-Sommerkonzertes. Nicht minder glanzvoll agierend auch die Solisten Clemens Abraham und Joschka Seip an der Trompete, sowie Dominik Schüler an der Posaune und Giuliana Klaus am Tenorsaxophon.

Nach der Pause wird dann sprichwörtlich „auf die Pauke gehauen“: Das nahezu 100-köpfige KRS-Blasorchester unter Jens Weismantel präsentiert mit „A Bandolero Story“ eines der anspruchsvollsten Stücke, die das junge Blasorchester wohl jemals öffentlich zu Gehör gebracht hat. Flimmernde Holzbläser-Triller, donnernde Trommel-Wolken, quirlige Mallets und machtvolles Blech vereinen sich zu einem außergewöhnlichen wie beeindruckenden Klang-Epos, das nur mit größter Konzentration und Können zu bewältigen ist. Hier zeigt sich erneut, zu welchen erstaunlichen Leistungen die KRS-Instrumentalisten fähig sind - trotz Klausuren-Stress und Notenendspurts - nicht umsonst ist die KRS auch eine Schule mit Schwerpunkt Musik. Und als wäre das alles noch nicht genug, kommt die große Stunde der Schlagwerker an Marimba-, Vibra- und Xylophon. Cedric Taubert, Joshua Cho und Jonas Rosenau lassen unter der umsichtigen Begleitung des Blasorchesters die Schlägel in rasender Geschwindigkeit in absoluter Perfektion über die Metall- und Holzplatten sausen, was das Publikum zu lautstarken Begeisterungsstürmen hinreißt.

Zu einer choristischen Weltreise lädt dann der große KRS-Chor (Chor ab Klasse 7 und Chor der Freunde der KRS) mit „Kapitän“ Frank Hagelstange – der hierfür eigens die Arrangements geschrieben hatte - ein. Über Stationen wie Paris, Bangkok, Moskau, New York oder Wien landet man schließlich mit dem Chanson „Barbara“ in dem beschaulichen Göttingen. Ganz „ohne Landeplatz“, wie Kapitän Hagelstange ausführt, gelingt den Choristen zusammen mit der Solistin Mara Spatola dennoch eine äußerst charmante Punktlandung – Chapeau!    

Als ein Manifest der Loslösung vom klassischen Tango erscheint 1974 Astor Piazzollas „Libertango“, gleichzeitig die Geburtsstunde des „Tango nuevo“. Das KRS-Symphonieorchester unter dem Dirigat von Petra Weiß setzt dieses rhythmisch sehr anspruchsvolle Stück sensibel um, wird das alles bestimmende, immer wiederkehrende melancholische Hauptthema von den einzelnen Instrumentengruppen in feiner Dynamik herausgestellt. Danach lassen sich die jungen Symphoniker von der „Macht“ des Meisters Yoda leiten und zaubern in zartem Streicherschmelz gekleidet imaginär den im Morast versunkenen Kampfflieger von Luke Skywalker auf die Bühne. Großes Klang-Kino dann mit „Lawrence of Arabia“, rhythmisch sehr pointiert auf den Punkt gebracht.

Den krönenden Abschluss des Konzertes stellt dann aber zweifelsohne der Titelsong des James-Bond-Streifens „Skyfall“ dar, im Original von Superstar Adele gesungen. Hier können einmal Mara Spatola und als Zugabe Isabella Hasanov stimmliche Akzente setzen – jede auf ihre Weise. Zu loben ist allerdings auch das KRS-Sinfonieorchester, das den beiden Solistinnen einen samtenen Klang-Teppich ausbreiten kann. Mit stehenden Ovationen, dicken Krokodilstränen und Blumen werden die junge Musikerschar und insbesondere die Abiturienten, die seit der fünften Klasse in den KRS-Ensembles mitgewirkt haben, verabschiedet.     

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