Parkplätze, verzweifelt gesucht

In der Neuen Mitte geht der Baubetrieb los

Der neue Parkplatz im Niederried wartet auf seine Nutzer (Bild: J. Dick).

(Bruchköbel/jgd) – Mit dem näher rückenden Beginn der Bauarbeiten für das neue Stadtzentrum wachsen auch die Befürchtungen. Diese drehen sich um die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Innenstadt, in ihrer Funktion als Einkaufszentrum.

Bei der Bürgerversammlung der letzten Woche im Bürgerhaus, wie auch bei einer Versammlung des Marketing- und Gewerbevereins sah man besorgte Mienen über das, was jetzt auf Anlieger, Kunden und Geschäfte zukommen könnte. Der Abriss des Parkdecks, der am 2. Januar starten soll, und der daran anschließende Aushub der gewaltigen Baugrube für die Tiefgarage lassen für die Parksituation einen dramatischen Einschnitt erwarten.
 

Zwar startet das Stadtmarketing in diesen Tagen seine Kampagne für die Ausnutzung des noch zur Verfügung stehenden Parkraumes. Dennoch kann die Situation bald an den Rand des Erträglichen geraten – oder darüber hinaus. Konkret: Wenn erst die beiden Parkplätze am zentralen Supermarkt, sowie das dahinter stehende Parkdeck komplett verschwunden sein werden, fehlen im Stadtzentrum je nach Betrachtungsweise 100 bis über 200 Parkplätze. Vollwertiger Ersatz ist nicht in Sicht. Zwar sollen etwa 20 neue Parkplätze auf dem Fritz-Horst-Platz Erleichterung bringen. Und 110 Stellplätze auf dem einige hundert Meter entfernten Niederried-Gelände, dem früheren Festplatz, sollen weiteren Druck herausnehmen (bislang wurden dort rund 80 Parkplätze angelegt). Jedoch bleibt beim Niederried abzuwarten, ob das autofahrende Publikum diese außerhalb gelegenen Plätze überhaupt annehmen wird, und zum Beispiel dort in Shuttles umsteigt - welche allerdings bislang nur in der Theorie existieren. Auch sind die Parkplätze am Niederried eigentlich für die Dauerparker gedacht, die heute noch ihre Autos im Parkdeck abstellen – der  Parkplatz im Niederried wäre also im Idealfall bereits ausgebucht, und würde dann wiederum wenig für Kurzzeitparker taugen.

Für Leute, die bislang ihr Auto im Zentrum abstellen, um im Supermarkt und den umliegenden Geschäften einzukaufen, um Post, Bank oder eine Arztpraxis zu besuchen, dürfte die Situation jedenfalls eng werden. Unter dem Strich droht ein noch nicht recht bezifferbarer Kaufkraftverlust für die Geschäfte. Eine Analyse darüber, welchen Prozentsatz etwa die Einpendler ausmachen, die nach der Arbeit für ihre Besorgungen im Stadtzentrum Halt machen, gibt es offenbar nicht. Die Hoffnungen liegen jetzt auf den Besuchern und Kunden, die innenstadtnah wohnen und auch bisher schon zu Fuß kommen. Die also die „Grundfrequenz“ für die Umsätze des Supermarktes und der umliegenden Geschäfte sichern helfen.

Unkonventionelle Ideen?
Ist aber ein großer Wurf für zusätzlichen Parkraum überhaupt noch möglich? Die oben genannten Veranstaltungen hinterließen Fragezeichen. Man verlässt sich bei der Suche nach neuem Parkraum allzu sehr auf die Bemühungen des Stadtmarketing. Letzteres tut unter der Leitung seiner umtriebigen Geschäftsführerin Andrea Weber zwar mit vielfältigen Aktionen alles, um den Bürgern die noch verbleibenden Parkplätze bekannt und schmackhaft zu machen, und sie weiterhin zum Gang in die Innenstadt zu ermutigen. Jedoch wäre die Freigabe alternativen Parkraums zuallererst eine Angelegenheit der zuständigen Verkehrsbehörde, weniger aber die einer Marketingabteilung. Manche Lösung war ja auch bereits in der Diskussion, scheint aber allzu schnell wieder verworfen worden zu sein. So soll es etwa wegen des Busverkehrs nicht möglich sein, den Abschnitt „Innerer Ring“ von der Hauptstraße bis zur Post in eine Einbahnstraße umzuwidmen und halbseitig mit Schrägparkplätzen zu versehen – dadurch aber könnten für den kritischen Zeitraum effektiv neue Parkplätze geschaffen werden. Auch die provisorische Erschließung eines Teils der Tiefgaragen-Oberdecke, die irgendwann in 2020 steht, soll für das Parken nicht möglich sein, weil diese große Fläche komplett den Bauarbeiten zur Verfügung stehen müsse. Und die temporäre Erschließung des „Freien Platzes“ für Stellplätze scheitert wiederum daran, dass hier Freitags der Wochenmarkt stattfindet. - Vielleicht lohnt ja noch einmal der Blick zurück auf die Zeit des 2012er Umbaues der Hauptstraße: Als zu jener Zeit die Lebensader der Stadt auf ihrer gesamten innerstädtischen Länge renoviert wurde, waren unkonventionelle, auch häufig wechselnde Verkehrsführungen durchaus möglich. Sogar die Busstrecken leitete man damals um. Die Sachzwänge erzwangen sich die nötigen Maßnahmen von selbst. 
 

Planung wurde verändert

Es muss irgendwann vor Jahresfrist gewesen sein, als aus der Politik der Ruf anhob, den bis dato in zwei Teilen geplanten Bau der Tiefgarage „in einem Rutsch“ durchzuziehen. Inzwischen wird klar: Der von den Fachplanern ursprünglich angestrebte Bau in zwei Etappen hätte die Chance geboten, über die Bauzeit hinweg ein gewisses Kontingent an zentrumsnahen Parkplätzen vorzuhalten. Nun aber erzwingt die von der Politik erwünschte Beschleunigung der Baumaßnahmen, dass die Parksituation bis weit in das Jahr 2021 hinein prekär verbleiben wird. 
 

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