Kriegsangst unter blauem Himmel

Ostermarsch startete wieder in Bruchköbel

Foto: privat

Wie schon seit den 80er Jahren, fand auch an diesem Karfreitag wieder der Ostermarschauftakt auf dem „Freien Platz“ in Bruchköbels Zentrum statt. Ostermärsche werden in Deutschland seit den 60er Jahren veranstaltet, der Zeit der ersten Proteste gegen die atomare Bewaffnung.

Ihre zweite „Blüte“ erlebten sie zu Anfang der 80er Jahre, als im damaligen Westdeutschland die Proteste gegen die Stationierungen der „Pershing“-Raketen viele Teilnehmer zu den bundesweiten Kundgebungen und Demonstrationen motivierten. Am vergangenen Freitag versammelten sich nun rund 250 Besucher zur Kundgebung in Bruchköbels historischer Mitte, demonstrierten anschließend durch Hauptstraße und Waldseestraße. An der „Dicken Eiche“ fand im Anschluß ein kleines Fest statt.

Die veranstaltende „Friedensplattform Hanau“ hatte zahlreiche Redner aufgeboten, darunter auch eine junge Rednerin der Klimabewegung „Fridays for Future“. Das Motto der Veranstaltung lautete „Für Frieden und Abrüstung! Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ Willi von Ooyen als Vorstand des Ostermarsch-Büros gab mit seiner Kritik an der Kündigung des INF-Vertrages durch die USA den Taktschlag vor: NATO und Russland geraten dadurch in eine Spirale der erneuten Aufrüstung, so seine Befürchtung. Man sehe heute den Frieden in Europa so bedroht wie seit 1945 nicht mehr, hatten die Veranstalter schon in ihrem Aufruf zur Kundgebung betont. Diese Befürchtungen stützte auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hanau, Robert Weißenbrunner, der überdies auf einen Zusammenhang zwischen den Kosten erneuter Aufrüstung und dem fehlenden Geld im sozialen Bereichen hinwies. 

Mit der Einladung an den Nürnberger Hans-Günther Schramm (unser Bild) setzten die Veranstalter aber auch ein Zeichen für ein lokales Projekt: Schramm ist Initiator eines in Nürnberg gegründeten Friedensmuseums - und die Hanauer „Friedensplattform“ ließ erkennen, dass man auch für Hanau die Gründung eines ähnlichen Friedensmuseums oder Dokumentationszentrums plant. Die „Friedensplattform“ will damit einen Kontrapunkt gegen das in Hanau von offizieller Seite geplante „Dokumentationszentrum Hanauer Militärgeschichte“ setzen. Man befürchtet dort einseitige und das Militär verherrlichende Darstellungen. Schon die im letzten Jahr gestartete Ausstellung „Hanau in feldgrauer Zeit“ war den Hanauer Friedensaktivisten zu einseitig. Aus ähnlichem Grund sei es auch in Nürnberg zur Gründung des dortigen Friedensmuseums gekommen.
 

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