Die Kandidaten werben für ihre Positionen

Blitzlichter aus den jüngsten Wahlkampftagen – Von Jürgen Dick

Foto: J. Foisinger

(Bruchköbel/jgd) – Jetzt sind alle im Direktkontakt: Die Bürgermeisterkandidaten (und die Kandidatin) waren in der vergangenen Woche bei vielen Veranstaltungen zu sehen und zu erleben.

Im Schützenhaus in Niederissigheim stellten sich sogar gleich sechs der sieben Bewerber bei einer spontanen „kleinen Podiumsdiskussion“ den Zuhörern. Ungeschminkt vor den Augen der Gäste, erwiesen sich Ziele und Temperamente als durchaus unterschiedlich.

Rivalen in der CDU
Zum Beispiel Daniel Weber, der offizielle Kandidat der CDU: Er findet sich zunehmend in den Wahlkampf hinein, pflegt die ruhigen Töne. Er weiss darum, dass seine CDU absehbar nicht mehr in einer absoluten Mehrheit schwelgen kann. Weber geht mit Anfragen seiner Gäste, etwa zu Problemen in den Stadtteilen, sachlich und offensiv um; räumt auch mal Fehler der Verwaltung ein. Selbst dort tätig, spricht er aus der Rolle des „Insiders“, kennt sich also aus.  - Anders Thomas Sliwka, laut eigenen Worten ein„freier Kandidat“, zugleich aber Fraktionsführer der CDU im Bruchköbeler Parlament, was widersprüchlich wirkt. Sliwka ist der Mann mit den knalligen Marketingsprüchen: Als selbst ernannter „Motor und Gestalter“ strebe er „Mut zur Veränderung“ und sogar eine „übergreifende Zufriedenheit und Harmonie“ an, so betont er. Sliwkas Versprechen zielen erkennbar auf das Gefühlte. Seine eigentliche Frohe Botschaft aber versteht jeder, der ihn erlebt: Thomas Sliwka will Bürgermeister werden, weil er es nämlich einfach verdient hat, Bürgermeister zu werden. So viel eitle Chuzpe hat dann auch schon wieder einen eigenen Charme. - Und da ist Dietmar Hußing. Laut seiner Selbstbeschreibung ist auch er wie Sliwka „freier Kandidat“ mit CDU-Parteibuch, aber ohne Unterstützung der Partei selbst. Auch er kennt den Rathausbetrieb von innen. Seine eigentliche politische Geschichte fand aber im Hanauer Parlament statt, dort als Fraktionsführer der Hanauer CDU, und dies auch in der Zeit der großen Hanauer Beschlüsse zur Stadterneuerung. Gemessen daran, betreibt er mit seinen Kenntnissen ein gewisses Understatement, könnte sich nachdrücklicher in Szene setzen. 

Anspruchsvoll
Viele Bürgerinnen und Bürger beobachten mit Interesse, wie sich Sylvia Braun schlägt. Sie ist die einzige Frau in der Riege der Bewerber. Bei ihrem gut besuchten Auftaktabend im Roßdorfer „Schwanen“ wogte ihr viel Sympathie entgegen, was sie sichtlich anrührte. Frau Braun beschrieb dort ihren sehr persönlichen Einstieg in die Politik, zunächst als Bruchköbeler Mutter mit den Problemen mangelhafter Hortbetreuung. 2011 trat sie in die FDP ein, ist inzwischen Fraktionsführerin: Sie gilt in der Parlamentsarbeit als zäh und hartnäckig. Ihre akribische Arbeit im ÖPNV-Ausschuss etwa (es ging damals um falsch bezahlte städtische Gelder) hatte den amtierenden Bürgermeister gehörig ins Schwitzen gebracht. Und auch beruflich ist sie anspruchsvoll unterwegs: Sylvia Braun ist Kriminalhauptkommissarin im höheren Dienst in Hessen. Sie kennt die Behördenarbeit und die amtlichen Entscheidungsgänge also aus einer besonderen Perspektive.

Männer mit Themen
Uwe Ringel, der Kandidat der Grünen, setzt auf seine Expertise, die er als früherer Erster Stadtrat gewonnen hat. Der Verkehrsexperte kann auf Projekte aus seiner Amtszeit verweisen, die allesamt gut geklappt haben (Hauptstraßenumbau, Radwege organisiert usw.). Er hat die Traute, einem unzufriedenen Bürger auch mal zu widersprechen, immer sachlich und zugleich verbindlich. - Perry von Wittich (SPD) kämpft mit sozialen Themen, hatte schon früh seine Mittelfrist-Idee der Einrichtung eines neuen Sportzentrums veröffentlicht. Er betont auch die nötige Ausweisung von Wohnbauflächen; ebenso will er ein Verkehrskonzept für Bruchköbel aufsetzen. Er liegt damit sehr nah an dem, was seine Partei als Programmatik verficht.

Patrick Baier (BBB) will Sauberkeit im Stadtbild, kontinuierliche Gehwegsanierung, einen direkten Bahnanschluss nach Frankfurt und bezahlbaren Wohnraum – so lauten einige seiner Kernthemen. Mit seiner  Gruppierung BBB gibt er sich weiterhin als starker Kritiker der „Neuen Mitte“ in der beschlossenen Form. Das Rathaus, in das er einziehen möchte, bezeichnet er auf seiner Homepage unverdrossen als „Protzrathaus“. Er will, einmal im Amt, „die bei öffentlichen Bauwerken üblichen Kostensteigerungen“ verhindern, wie er betont. Derzeit ist er mit einer munteren „Kleinstes Café“-Tour in den Stadtteilen unterwegs, die offenbar gut ankommt.
 

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