Gruppenbild mit Dame

Erstmals kämpft eine Frau um das Bürgermeisteramt

FDP-Vorstandsmitglied Horst Roepenack gratuliert der neuen Bürgermeisterkandidatin Sylvia Braun. Foto: privat

(Bruchköbel/pm/jgd) - Zuletzt pfiffen es die Spatzen von den Dächern, der „Hanauer Anzeiger“ hatte schon seit Monaten gebaggert – im inzwischen 7-fach besetzten Kandidatenkarussell um den Bürgermeisterposten geht es jetzt rund.

Mit der am Montag bekannt gegebenen Kandidatur von Sylvia Braun (FDP) meldet sich zum ersten Mal eine weibliche Kandidatin für den Wettbewerb an. Die 47-jährige hiesige FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende lebt seit mehr als 13 Jahren mit ihrer Familie in Bruchköbel. Braun ist keinesfalls ein politisches Leichtgewicht – sie sitzt seit 8 Jahren für ihre FDP im Stadtparlament. Die Kriminalhauptkommissarin und Diplom-Verwaltungswirtin (FH) bringt über 30 Jahre Berufserfahrung aus dem öffentlichen Dienst als Polizeibeamtin mit.
 

Sylvia Braun ist in der Bruchköbeler Politik als streitbare Fraktionssprecherin bekannt. Zuletzt war sie mit ihrer FDP auf Konfrontationskurs gegen die hohen Kosten der „Neuen Mitte“ gegangen. Aus ihren ersten programmatischen Ansagen zu ihrer Kandidatur lassen sich denn auch viele Bezüge zur Politik der jüngeren Zeit herauslesen. Die „Neue Mitte“ will sie ins Zentrum ihrer Arbeit stellen – und ihr Blick darauf bleibt kritisch: „Mit dem Innenstadtumbau haben wir jetzt eine epochale Herausforderung in finanzieller und logistischer Hinsicht vor uns, die über Wohl und Wehe unserer Stadt entscheidet“, so die Kandidatin. „Deshalb ist der Innenstadtumbau für mich ganz klar Chefsache. Dazu werde ich ein intensives Controlling einsetzen, das die Einhaltung der dazu erfolgten Beschlüsse gewährleistet.“ Auch seien im Bereich der Infrastruktur „die Auswirkungen der Fehler aus der Vergangenheit abzumildern, wie etwa beim Thema Wasserhärte“, geizt sie nicht mit Kritik am derzeitigen Amtsinhaber und der Politik der CDU/SPD-Koalition.

Zum Thema des knappen Wohnraumes kommt die Freidemokratin mit einem spannenden Vorschlag heraus, der zwar schon früher immer mal wieder in der Politik diskutiert, aber von keinem der Bürgermeister je konkret angegangen wurde. Braun: „Unstreitig brauchen wir mehr bezahlbare Wohnungen, wobei sich das Gelände des Bauhofes dafür in idealer Weise anbietet, eine Verlagerung des Bauhofs -vielleicht in Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen– ist längst überfällig.“

Weitere Schwerpunkte ihrer möglichen Arbeit als Bürgermeisterin hakt die frischgebackene Kandidatin eher routiniert ab: „Für Familien müssen wir attraktiver werden, mit erschwinglichen Bauplätzen und einem guten und bezahlbaren Angebot an Kinderbetreuung. Auch für unsere Jugend müssen wir ein schlüssiges und akzeptiertes Konzept mit entsprechenden Räumlichkeiten anbieten, das auch von den Jugendlichen angenommen wird. Darüber hinaus gilt es, die Verwaltung fit für die Zukunft zu machen und viel mehr die digitalen Möglichkeiten in den verschiedensten Bereichen auszuschöpfen. Über allem steht für mich als Basis eine transparente und faire Kommunikation nach innen und außen - als ansprechbare Bürgermeisterin werde ich dazu eine regelmäßige Bürgersprechstunde einführen“, so Sylvia Braun.

Zum Verständnis ihrer Motivation verweist die Kandidatin auf ihren Einstieg in die Kommunalpolitik vor knapp 10 Jahren: „Als Elternvertreterin hatte ich schnell gemerkt, dass die Entscheidungen für die Familien vor Ort in Politik und Verwaltung getroffen werden. Deshalb bin ich auch politisch aktiv geworden. Durch die Erfahrung der Jahre im Parlament habe ich allerdings erkennen müssen, dass selbst Mehrheiten für gute Beschlüsse wenig nutzen, wenn sie nicht oder nur zögerlich umgesetzt werden. Deshalb möchte ich das nun selbst anpacken: ausgleichend, kompetent und vor allem durchsetzungsfähig.“

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