Facetten der Blasmusik

Foto: privat

Beim Jahreskonzert des Musikzugs Niederissigheim e.V. am vergangenen Sonntagnachmittag gab es gleich zwei Neuheiten. Zum einen stellte sich erstmals das gemeinsame Jugendorchester des Musikzugs Niederissigheim und der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel dem Publikum vor. Zum anderen leitete der neue Dirigent Joshua Honfi das Stammorchester zum ersten Mal vor großem Publikum.

Wie erfolgreich die Kooperation des Jugendorchesters unter der bewährten Leitung von Christophe Szykulla ist, zeigte schon der Auftakt mit dem konzertanten Stück „Where Eagles soar“. Die hohen Ansprüche, die dieses Arrangement an die jungen Musiker stellte, wurden bravourös gemeistert und mit tosendem Applaus belohnt. Rockig ging es weiter mit „Jump“ von  Van Halen und einem toll arrangierten Medley „Coldplay Classics“. Dass die Jugend auch noch anders kann, bewiesen Sie mit dem „Egerländer Musikantenmarsch“, was beim Niederissigheimer Publikum sogleich für Stimmung sorgte. Richtig was auf die Ohren gab es zum Abschluss mit „Let me Entertain you „. Ohne Zugabe durfte das Jugendorchester die Bühne jedoch nicht verlassen. Mit „Groove Academy“ wurden nochmals neue jazzige Töne zu Gehör gebracht, auch das ist mit einem Blasorchester möglich. Großes Lob verdiente die Musikauswahl, bei der alle sich einbringen konnten und die Synergie zwischen Christophe Szykulla und den Musikern bestens funktioniert. 

Nach einer kurzen Umbaupause eröffnete Timo Winter den Part des Stammorchesters. Das Ziel, das Publikum mit auf musikalische Reise zu nehmen, wurde schon mit dem ersten Stück „New York Ouverture“ von Kees Vlaak erreicht, der das Werk seiner Frau Maria widmete. Wiederkehrende Sequenzen erinnerten an das Musical „Westside Story“ von Leonhard Bernstein. Den  Central Park im Morgengrauen, die geschäftige 5th Avenue, einen Choral in der Kathedrale und einen Ausflug nach Harlem konnte der aufmerksame Zuhörer erleben.  Mit „Stars and Stripes forever“ einem flotten Marsch aus der Feder von John Philip Sousa blieb das Orchester weiter in Amerika. Im Piccolo Flötensolo  durfte  Emmi Beimel brillieren. Vor der Pause bahnte sich der erste Höhepunkt des Abends an. Julian Born  überzeugte mit seinem Posaunensolo in dem Hit „Feeling Good“ von Anthony Newley und Leslie Bricusse (Arr. Stefan Schwalgin). In intensiven Übungsstunden bereitete sich das gesamte Orchester  auf die große Herausforderung vor und die Halle war begeistert. Nach der Pause stellte Sandra Erhard in ihrer Moderation auf witzige Weise einen Konflikt unter den Musikern dar. Ihr größter Herzenswunsch, einmal „Im Weißen Rössl“ zu spielen, stieß jahrelang auf taube Ohren. Hartnäckig setzte sie sich nun in diesem Jahr durch. Die witzigen Plakate des Orchesters mit „Nur für Sandra!“ und „Nur unter Zwang!“ sorgten im  Publikum für Lachsalven und  Erheiterung. Die Filmmusik zur gleichnamigen Operette (Arr. Stefan Schwalgin)  einfallsreich gestaltet mit Melodien, die jeder kennt, wurde mit viel Enthusiasmus gespielt. Mit Rumba-Beat,  Dixieland-Sound und jazzigen Elementen kam das Potpourri sehr gut beim Publikum an. In der „Polka im Galopp“ wechselte das Repertoire, bis es beim „Bon Jovi- Rock Mix“ wieder richtig laut wurde. Die Unterstützung zweier E-Gitarren  trug  zum rockigen Sound sicher viel bei. Volkstümliche „Augenblicke“ bescherte die gleichnamige Polka der Formation Viera Blech den Zuhörern, bevor sich das Orchester mit „Don‘t stop me now“ der legendären Band Queen verabschiedete. Solistische Einlagen am Anfang und am Ende wurden sehr gefühlvoll  von Chiara Hirt (Horn)  und Moritz Spiegelhalter(Trompete) vorgetragen.  Unter der neuen musikalischen Leitung von Joshua Honfi präsentierte sich das Stammorchester in Bestform. Er verstand es mit viel Feingefühl, den speziellen Charakter der sehr unterschiedlichen Stücke zu vermitteln. Das Ergebnis bewies eindrucksvoll und raumfüllend, die Chemie stimmt. Gerne bedankte sich das Orchester mit der Zugabe „Böhmische Liebe“ für die Standing Ovations und den anhaltenden Beifall. Bei diesem gefühlvollen Stück schmolzen nochmal die Herzen aller Musikzugfans. Aber der Musikzug wäre nicht der Musikzug, wenn nicht zum Ende der „Reichswehrmarsch“ dirigiert von Dieter Mayerl erklingen würde. Denn Tradition muss Tradition bleiben.

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