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(Hanau/pm) - Lebendiger Adventskalender: Katja Leikert im Gespräch mit Hanauer Seniorin. Seit Juni lebt Gabriele K. im Hanauer Stadtteilzentrum an der Kinzig, einer Einrichtung der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises. Die gebürtige Berlinerin, Jahrgang 1932, hat viel zu erzählen. Im Rahmen der Aktion „Lebendiger Adventskalender“ des Vereins „Vereint Helfen“ berichtete Gabriele K. der CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Katja Leikert bei Kaffee und Kuchen aus ihrem Leben. Organisiert wurde das Treffen von Gesine Krotz, die seit vielen Jahren die Generationengespräche zwischen Senioren und Personen des öffentlichen Lebens aus der Region vermittelt.

Alle Gespräche werden auf Tonband aufgezeichnet und feinsäuberlich für die Nachwelt abgetippt. „Das sind Zeitzeugendokumente“, sagt Gesine Krotz. Vier Töchter hat Gabriele K. großgezogen, neun Mal ist sie im Laufe ihres Lebens mit ihrem Ehemann, der Büromaschinen und später auch -möbel vertrieb, umgezogen. Nach der Heirat 1957 ging es erst nach Koblenz, es folgten Stationen u.a. in Siegen, Oberhausen, München, Mittelbuchen, Aschaffenburg und Rodenbach. Und jetzt Hanau. Ein Sturz und die leidige Arthrose haben den Umzug ins Pflegeheim unumgänglich gemacht. So ganz hat sich die rüstige Seniorin, die viele Jahre lang Turnerin war, und die Geist und Körper auch heute noch mit Hilfe von Gymnastikübungen und Mühle-Spielen fit hält, noch nicht an ihr neues Zuhause gewöhnt. Alles ist neu und vor allen Dingen die festen Essenszeiten sind gewöhnungsbedürftig. Dafür ist immer jemand da zum Reden, seien es die Pflegekräfte, die Mitbewohnerinnen und nicht zuletzt die Familie, die regelmäßig zu Besuch kommt. Und sie kann näher bei ihrem Mann sein, der schwer an Demenz erkrankt ist, und bereits seit einigen Jahren im Stadtteilzentrum an der Kinzig lebt. Nur eine Fahrt mit dem Aufzug Pressemitteilung trennt die Eheleute. „Manchmal erkennt er meine Stimme“, sagt Frau K.. Das letzte Mal, dass das passiert sei, sei allerdings schon eine Weile her. Kennengelernt hat sich das Paar bei einem Tanztee. Ihr späterer Mann hatte einen Motorroller, damit düste das junge Glück durch Berlin, sie meist im Beiwagen. „Hinten wollte ich nie sitzen, das war mir zu gefährlich“, sagt sie und lacht. Früher, da hat ihr Mann viel geredet, war beruflich oft in Osteuropa unterwegs. Sogar Russisch hat er gesprochen. Wenn er heute eine vertraute Melodie hört, dann huscht manchmal noch ein Lächeln über sein Gesicht. Gabriele K. bleiben die Erinnerungen an ein glückliches Familienleben. Damals, in den 60er und 70er Jahren, als es mit den vier Mädels und einem bis unters Dach bepackten Auto nach Spanien ging. Eine Klimaanlage gab es damals nicht, eine Anschnallpflicht ebenso wenig. Das Hotel wurde spontan vor Ort gebucht – ein echtes Familienabenteuer. Als junge Frau lernte Gabriele K. den Beruf der Lebensmittellaborantin, arbeitete in einer großen Ölmühle. Dann stand viele Jahre die Familie im Mittelpunkt. Ein Haushalt mit sechs Personen, Kochen, Waschen, Bügeln, Seelentröster, Vorbild und treusorgende Ehefrau und Mutter sein – alles, was eben dazu gehört. Ihre Eintöpfe, die sind noch heute legendär. Irgendwann leerte sich das Haus. Die großen Kochtöpfe wurden gegen kleinere ausgetauscht. Jetzt haben sich die Rollen verkehrt. Die Töchter - drei leben in der Region, eine in Hamburg - die Schwiegersöhne und die acht Enkel kümmern sich liebevoll um Oma und Opa. In wenigen Tagen feiern alle gemeinsam Weihnachten, diesmal im Pflegeheim. Alles ist neu – und doch so vertraut.