Bruchköbeler Kurier, das wollen Sie wissen.

Foto © privat

„Noch sind wir in der Mehrheit und müssen den Mund aufmachen!“ (Horst Selbiger)

(Bruchköbel/pm) - Der Holocaust Überlebende Horst Selbiger (91) las Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Böll-Schule Bruchköbel aus seinem Buch: „Verfemt – verfolgt – verraten. Abriss meines Lebens“ vor und gewährte damit einen vertiefenden und authentischen Einblick in seine Kindheit und Jugend während des NS- Regimes.31.01.2019, Bruchköbel. Am 74ten Jahrestag der Befreiung Auschwitz besuchte der Berliner Horst Selbiger die Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel, las aus seinem Buch und beantwortete Fragen von Schülerinnen und Schülern des zehnten Jahrgangs.

Gegen Ende der Weimarer Republik erlebte Horst Selbiger, der aus einer großen jüdischen Familie stammt, eine „harmonische Vorschulzeit“ in Berlin, ehe die Machtübernahme Adolf Hitlers sein Leben in kürzester Zeit veränderte. Der Journalist und Ehrenvorsitzende des Vereins „Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ berichtete den Zehntklässlern von der beginnenden Ausgrenzung durch Mitschüler und Lehrer, den einschneidenden Erlebnissen der Pogromnacht am 9.11.1938 sowie dem erzwungenen Umzug der Familie in ein „Judenhaus“. Bewegend schilderte er seine tief empfundene Liebe zu dem Mädchen Esther, welches im März 1943 ein Opfer des Holocaust wurde. 1943 wurde Horst Selbiger im Rahmen der „Fabrikation“ in ein Sammellager verschleppt und im Zuge der später als „Protest in der Rosenstraße“ bekannt gewordenen Demonstrationen kurz darauf entlassen. Bis zum Einmarsch der Roten Armee im April 1945 musste er Zwangsarbeit bei der Trümmerbeseitigung leisten.

Im Anschluss an seine Lesung beantwortete der Zeitzeuge geduldig die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler und spendete der Schulbücherei zwei Exemplare seines Buches. Mit seinem Besuch zeigte Herr Selbiger einmal mehr, wie wichtig es ist sich mit dem nationalsozialistischen Deutschland auseinanderzusetzen.