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Im Zuge der Vorbereitungen zum Abriss des Rathauses wurden jetzt die umgebenden Büsche und Bäume entfernt. Der jetzige Anblick erinnert wieder an die 70er Jahre, als das Gebäude frisch errichtet worden war. Die Abbrucharbeiten sollen bis Ende März laufen. Foto: privat

(Bruchköbel/jgd) – Vielleicht wird es ja doch nicht der „Rewe“, sondern ein anderer Supermarktbetreiber sein, der schließlich in den Neubau auf dem Rathausgelände einzieht? Das war am Montagabend zumindest aus Nebensätzen herauszuhören, beim Vortrag des Bürgermeisters zum Innenstadtumbau. Anlass war die alljährliche Bürgerversammlung, zu der sich rund 100 Bürger eingefunden hatten. Bürgermeister Maibach und Stadtmarketing-Chefin Andrea Weber lieferten Lichtbildvorträge zum Stand der Dinge. Unterhaltsam waren dazu noch die Ausführungen von Kurt Liebermeister, dem Vorsitzenden des Stadtmarketing-Vereins Bad Vilbel, zur Stadtkernsanierung in dessen Heimatstadt.

Der Bürgermeister schilderte zunächst viel Bekanntes. Er erläuterte den Besuchern noch einmal das Innenstadt-Baukonzept. Der neue Supermarkt, das Stadthaus mit der Tiefgarage darunter, das Geschäftsgebäude auf dem Gelände des Bürgerhauses – dies sind weiterhin die Hauptbestandteile des Komplexes, der entstehen soll.

Drei Bauphasen
Das Vorhaben soll in drei Abschnitten realisiert werden: Zunächst wird der Teil südlich des heutigen Rewe-Parkplatzes gebaut – in dieser Zeit werden die meisten Parkplätze vor dem Rewe-Markt noch zugänglich sein. Sodann wird direkt vor dem Rewe-Markt weitergebaut – wegen das dann befürchteten Kundenrückgangs wohl die kritischste Phase der Bauarbeiten. Als dritte Phase erfolgt dann der Abriss des Bürgerhauses und der Neubau eines mehrstöckigen Geschäftsgebäudes.

Im Dialog mit Investoren
Mit Spannung erwarteten einige Zuhörer neue Informationen zu den laufenden Verhandlungen im Rahmen des „Wettbewerblichen Dialogs“ (WeDi). Unter diesem Titel finden nämlich derzeit die spannenden Beratungen mit potentiellen Baupartnern und Investoren statt. Allzu viel Inhaltliches ließ sich Maibach dazu aber aus Gründen des Vertrauensschutzes noch nicht entlocken. Jedenfalls scheinen in der Tat mehrere Interessenten vorstellig geworden zu sein, die das Projekt mit der Stadt bauen wollen. Frühere Befürchtungen, man werde für das komplizierte Projekt am Ende keine Baufirmen finden, haben sich nicht bestätigt. Maibach zeigte sich sehr sicher, dass am Ende ein Vertrag mit einem oder vielleicht auch mehreren der Interessenten stehen wird.

Dauerthema Tiefgarage
In den WeDi-Verhandlungen gehe es derzeit um Fragen der Zuständigkeit: Wem gehört, wer betreibt am Ende welches Gebäude? Gegenwärtig gilt: Der neue Supermarkt-Bau wie auch das zukünftige Geschäftsgebäude auf dem Bürgerhausgrundstück werden wohl am Ende Eigentum von Investoren sein. Das „Stadthaus“ soll dagegen Eigentum der Stadt sein. Wer am Ende aber die Tiefgarage betreibt, diese Frage wird anscheinend mit den Investoren offen diskutiert. Sie könnte am Ende ebenfalls ein Investorengebäude sein, oder im Eigentum der Stadt betrieben werden. Einige Bewerber haben offensichtlich ihre ganz eigenen Vorstellungen eingebracht, und bringen offenbar auch weitere Partner ins Spiel: Maibach ließ die Bemerkung fallen, dass am Ende nicht unbedingt der Rewe-Markt ein Kandidat für den Betrieb des kommenden Vollversorger-Supermarktes sein müsse. Es könnten am Ende sogar zwei Märkte herauskommen: Für die Fläche des derzeitigen „Rewe“ gebe es langjährige Mietverträge – diese bleibt demnach weiterhin eine vollwertige Fläche für einen Fachmarkt. Hinzu kommt dann das kreisförmige neue Marktgebäude auf der Fläche des heutigen Parkhauses und der Freiflächen davor. Für die Tiefgarage strebt Maibach übrigens eine kostenlose Parkzeit von 1 1/2 Stunden an. Das wäre im Vergleich zu anderen Kommunen sehr günstig – vermutlich wird man den Bürgermeister später immer wieder gerne daran erinnern.

Die Durststrecke
Zunächst steht aber erst einmal die mühsame Bauphase an, mit Verkehrsbehinderungen, Krach und Schmutz. Das zeitweise Verschwinden der gewohnten Parkplätze dürfte zu Engpässen führen. Wie geht man also mit den Befürchtungen der Einzelhändler betreffs Umsatzeinbußen um? Andrea Weber hat mit ihrem Stadtmarketing vor, das Projekt mit Aktionen und ständig frischer Information erträglich zu machen. Das habe sich während der Erneuerung der Hauptstraße bewährt. Für die Dauerparker im Parkdeck wird man in dieser Zeit die Freifläche im Niederried als Ausweichparkplatz anbieten.

Die Einlassungen des Bad Vilbeler Stadtmarketing-Mannes Kurt Liebermeister wurden amüsiert aufgenommen. Dieser schilderte die Innenstadterneuerung in seiner Stadt in den höchsten Tönen. Er verwies auf die rundum erfolgte Aufwertung des gesamten Quartiers. Den Mann hatte man nicht von ungefähr eingeladen. Denn auch in Bad Vilbel wurden die Parkplätze in eine Tiefgarage verbracht. Obendrauf breitete man dort eine „Piazza“ aus, einen Stadtplatz, die nun gerne besucht werde. Heute würden dort auch die seinerzeitigen Gegner des Projektes gemütlich ihren Kaffee zu sich nehmen, bemerkte der Gast aus Bad Vilbel dazu.