Bruchköbeler Kurier, das wollen Sie wissen.

Bürgermeister Günter Maibach (hinten, 2. v. r.) bedankte sich  beim Vorsitzenden Michael Odenwäller (hinten, 1. v. r.). Ganz links: Schulleiter Matthias Doebel, daneben rechts weitere Vorstandsmitglieder. Foto: Pongratz

(Bruchköbel/pm) - Sommer 1993: die Grundschule Süd in Bruchköbel, die größte Grundschule im Main-Kinzig-Kreis, hatte 22 Lehrer und weit über 500 Schüler - unter ihnen auch Benjamin Seegers und Thekla und Lukas Odenwäller. Die im Jahr 1900 erbaute Schule war mittlerweile in die Jahre gekommen, was man an blätterndem Putz, maroden Toiletten und undichten Flachdächern sehr augenfällig sah. Auch in den Klassenräumen fehlte einiges, um den Unterricht so abhalten zu können, wie es sich die damalige Schulleiterin Monika Glund-Krohne, alle Lehrer, Eltern und Kinder vorstellten.

Immer wiederkehrende Hinweise darauf und Gespräche mit dem Schulträger, dem Main-Kinzig-Kreis, brachten keine Abhilfe, man wurde vertröstet, lange Zeit tat sich nichts in Sachen Unterstützung der Schule.

„Frau Glund-Krohne sprach mich als Elternbeirat damals darauf an, die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, sagt die heute 73-jährige Birgit Seegers aus Bruchköbel, „wir wollten einfach nicht mehr untätig zusehen und etwas für die Schule und unsere Kinder tun.“ Die Idee, einen Förderverein für die Schule zu gründen, war geboren und Mitstreiter fanden sich auch.

„Am 2. Juni 1993 haben wir uns dann im Rahmen einer Schulelternbeiratssitzung in der Schule getroffen und den Verein gegründet“, erklärt Michael Odenwäller schmunzelnd, „und das ich mit von der Partie war, ist eher ein Zufall gewesen. Eigentlich sollte Hans-Walter Schäfer den Vorsitz übernehmen, aber er fragte mich, ob ich nicht auch Lust hätte mich zu engagieren.“

Das war für den damals 32-jährigen Butterstädter und Vater von vier Kindern natürlich keine Frage. Als ehemaliger Schüler der „Südschule“ und sozial engagierter Mensch ließ er es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Birgit Seegers das Projekt „Förderverein Haingarten-Schule“ verantwortlich als 1. und 2. Vorsitzende in die Hand zu nehmen. „Gestartet sind wir 1993 mit neun Leuten“, ergänzt Birgit Seegers.

Seitdem sind 25 Jahre vergangen und es hat sich natürlich vieles verändert: Schulleiter ist seit 17 Jahren Matthias Doebel aus Neu-Isenburg. Vor ihm saßen Monika Glund-Krohne und interimsmäßig über mehrere Jahre Irene Hoelke-Roitzsch auf dem Chefsessel in der Haingarten-Schule in Bruchköbel. Mittlerweile ist die Schule mit knapp 400 Schülern nach wie vor eine große Grundschule im Main-Kinzig-Kreis und technisch, baulich und in punkto Arbeitsmittel für den Unterricht gut aufgestellt. „Das liegt zum einen am finanziellen Konjunkturprogramm des Bundes aus dem Jahr 2009, aber zum großen Teil auch an der Unterstützung des Fördervereins“, erläutert Matthias Doebel. „Ohne die Mithilfe des Vereins wären wir nicht da, wo wir jetzt sind: Wir haben Außenspielanlagen, die schöner sind als so mancher Spielplatz“, sagt Doebel mit einem Lachen. „Es gibt Pausenkisten für jede Klasse der Schule, Klettergerüste, eine Seilbahn, Reckstangen, Wackelteller, Balanciermöglichkeiten, Balltrichter und eine Wackelbrücke, sodass einer bewegten Pause für die Kinder eigentlich nichts im Wege steht. Außerdem hat der Förderverein die hausinterne Telefonanlage finanziert, die Klassenräume im Jahrgangstrakt 1 und 2 kernsaniert und eine Bühne angeschafft ­von den zahllosen Lehr- und Lernmitteln ganz zu schweigen. “

Jetzt, im Herbst 2018, ist aber nicht alles anders als vor 25 Jahren: „Michael und ich stehen immer noch an der Spitze des Fördervereins und es macht uns noch genauso viel Spaß wie am ersten Tag“, sagt Birgit Seegers mit Stolz. Ihre lange erwachsenen Kinder Svenja, Stephan und Benjamin sind alle Schüler in der Haingarten-Schule gewesen und ihre Enkelin Neele auch. Und bei Michael Odenwäller ist es nicht anders: ABC und Einmaleins haben alle vier Kinder von ihm, Lukas, Thekla, Philipp und Clemens, in der Ludwig-Erhard-Straße gelernt, unter anderem bei Lehrerin Gaby Feldmann. Sie ist als einziges weiteres Gründungsmitglied auch heute noch als Beisitzerin dabei. Einige weitere Beisitzer engagieren sich ebenfalls bereits seit langer Zeit aktiv im Verein.

Wie viele Stunden sie zugunsten des Vereins investiert haben, bei wie vielen Vorstandssitzungen, Aktionstagen, Einschulungen, St. Martins-Feiern, Hof- und Gassenfesten, Weihnachtsbaumverkäufen und Schulfesten sie nicht nur organisatorisch verantwortlich waren, sondern auch mitgeholfen haben, können die beiden Vorsitzenden nicht sagen. Was sie aber wissen: „Ohne die Mithilfe aller Vereins- und Vorstandsmitglieder, Eltern und auch Lehrer könnten wir jetzt im Jubiläumsjahr nicht auf eine so erfolgreiche Zeit zurückblicken“, sagt Michael Odenwäller und ergänzt: „Als Beispiel möchte ich nur die Aktionstage im Außenbereich erwähnen und die Begeisterung der vielen Helfer, aktiv mit anzufassen und in der Gemeinschaft zu sehen, was geschafft wurde. Vielen Dank dafür.“

Und „amtsmüde“ wirken die beiden Gründungsmitglieder auch nicht: „Derzeit sieht es zwar ganz gut aus, aber wir benötigen auch weiterhin die Unterstützung möglichst vieler Vereinsmitglieder, Gönner und Helfer. Nur so kann der Förderverein auch die nächsten 25 Jahre erfolgreich helfen“, sagt Birgit Seegers.

Mithelfen kann dabei übrigens jeder, der für den Mindestbeitrag von einem Euro pro Monat Mitglied wird - zugunsten der Haingarten-Schule und der Kinder.

Ein Verein, der fördert: Mitgliederzahl 1993: 57 Mitglieder, Mitgliederzahl aktuell: 376 Mitglieder.

Finanzielle Haupteinnahmen neben Mitgliedsbeiträgen: Hof- und Gassenfest im Garten der Familie Spiegelhalter. Der Gewinn des Festes geht als Spende Jahr für Jahr auf das Konto des Fördervereins.  Weihnachtsbaum-Verkauf auf dem alten Schulhof. Seit der Gründung sorgt Michael Odenwäller für die Weihnachtsbäume, auch hier geht der Reinerlös auf das Konto des Fördervereins.  Feste wie das Schulfest, St. Martins-Feier sowie die alljährliche Einschulung.

Durch diese Aktivitäten kann ein Kapitalbedarf von bis zu 18.000 Euro pro Jahr gedeckt werden.

In den vergangenen 25 Jahren hat der Verein eine Gesamtsumme von fast 500.000 Euro erwirtschaftet. Größte Investitionen in die Haingarten-Schule: Spielgeräten und die Renovierung der Klassenräume in den Klassenstufen 1. und 2. Hierfür wurden 2015/16 insgesamt 40.000 Euro aufgewendet.  Neben den Schul-AG´s, der Telefonanlage und zahlreichen Materialien für den Unterricht gab es 2015 auch eine Förderung für das Gebäude des Orkalanda e. V. durch die Teilerneuerung der Küche. In den vergangenen Jahren gab es dann weitere Aufwendungen zur Renovierung.  Der Förderverein unterstützt die Haingarten-Gespräche im Rhythmus von zwei Jahren. Experten erörtern mit interessierten Eltern aktuelle Themen, wie zum Beispiel „Richtiger Umgang mit Medien“.