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Vorständin Zorbach doch nicht Kandidatin – Von Jürgen Dick

(Bruchköbel/jgd) – Eine Tageszeitung hatte vor zwei Wochen gemeldet, dass der Bruchköbeler Bürgerbund (BBB) für die Bürgermeisterwahl 2019 auf die Finanzexpertin Stefanie Zorbach als Kandidatin setzen wolle. Die Zeitung hatte sich dabei auf eine Aussage des BBB-Vorstandsvorsitzenden Harald Hormel berufen. Am Wochenende widersprach die Führung des BBB dieser Darstellung. Stefanie Zorbach stehe für eine Kandidatur „aufgrund ihrer familiären Situation“ nämlich gar nicht zur Verfügung, ließ der BBB-Vorstandsvorsitzende Harald Hormel nunmehr zusammen mit Alexander Rabold (Fraktionsvorsitz) die Zeitung wissen. Die beiden Vorsitzenden bescheinigten ihrer BBB-Kollegin zugleich fachliche Kompetenz und menschliche Qualitäten.

Frau Zorbach, Beisitzerin im BBB-Vorstand, hatte sich bis dahin selbst noch gar nicht öffentlich zum Thema geäußert. Gegenüber dem Schreiber dieser Zeilen sagte sie am Wochenende, dass sie nicht gedenke zu kandidieren. Mit ihr selbst sei auch gar nicht über das Thema gesprochen worden, weder BBB-intern noch außerhalb. In der Tagespresse war jedoch zuvor berichtet worden, dass BBB-Vorstand Harald Hormel sich habe „entlocken“ lassen, Zorbach gehöre „zum Kandidatenkreis“. Nun mag es zwar befremdlich erscheinen, dass ein BBB-Vorstandsvorsitzender unbestätigte Spekulationen über eine Vorstandskollegin an die Presse lanciert. Aber ganz so abwegig war die Idee von der Kandidatur Stefanie Zorbachs nicht. Ist sie doch seit drei Jahren bei der Gemeinde Freigericht für den Fachbereich Finanz- und Rechnungswesen zuständig, wirkt dort also fachkundig bei der Aufstellung der jährlichen Haushalte mit – innerhalb einer Gemeindeverwaltung ist das eine Schlüsselposition.

Spekulationen
In der Bruchköbeler Politik hatte die Nachricht von der vermeintlichen Kandidatur Stefanie Zorbachs so manche(n) überrascht. Frau und Finanzexpertin – manche sprachen von einem intelligenten Schachzug. Andererseits herrschte aber auch Erstaunen darüber, dass eine Frau überhaupt an den (männlichen) BBB-Altvorderen vorbei ziehen darf. Wird doch in der Bruchköbeler Politik schon seit längerem gemutmaßt, dass BBB-Vorstand Harald Hormel die Kandidatur für sich selbst sichern wolle. Die Spekulationen darüber gehen so: Hormel hatte sich Ende 2016 den Posten des BBB-Vorsitzenden gesichert. Er brachte sich damit also in klassischer Weise in die politische Pole-Position, verbesserte seine öffentliche Sichtbarkeit - so wie es Politiker mit Ambitionen auf Höheres eben gemeinhin machen. Darüber hinaus hatte Hormel schon früher, in der Zeit des ehemaligen Bürgermeisters Michael Roth (damals CDU, heute BBB), Ambitionen auf ein höheres Bruchköbeler Amt erkennen lassen. Hormel, schon damals ein eloquenter Redner, der mit sonorer Stimme strukturiert und zugleich scharfkantig zu sprechen vermag, kam damals für den Posten des Ersten Stadtrates ins Gespräch. Roth unterstützte ihn dabei. Jedoch vergrätzte dies Teile der damaligen CDU, und aus der Sache wurde nichts. Andere Spekulation: Könnten Unzufriedenheiten innerhalb der BBB-Mitgliedschaft ein Grund für die verfrühte Ausrufung Stefanie Zorbachs zur Kandidatin sein? Also ein wachsender Wunsch nach Verjüngung, nach frischem Wind? Die Mitgliederzahlen des BBB stagnieren laut Informationen aus der Tagespresse auf niedrigem Niveau (40 Personen), während in den öffentlichen Reden seit zehn Jahren die gleichen zwei, drei Gesichter von Männern dominieren, die immer noch in die alten Kämpfe mit ihrer ehemaligen Partei CDU verstrickt scheinen, der sie anno dunnemals im Zorn den Rücken gekehrt hatten. Auch Erfolge einer eventuellen Jugendarbeit sind von außen nicht wirklich zu identifizieren. Die Kandidatur einer jüngeren, politisch unverbrauchten Frau also, einer Fachfrau zumal, hätte insofern gut gepasst. Sie wäre -auch- zu verstehen gewesen als Signal für eine personelle Erneuerung der BBB-Spitze.