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Zwischenzeitliche Seenlandschaft am Issigheimer Schützenhaus. Foto © privat

Hochwasservorsorge in Bruchköbel

(Bruchköbel/jgd) – In der vergangenen Woche hatte starker Regen weite Teile Hessens heimgesucht. Auch Bruchköbel und seine Umgebung waren davon betroffen. Der Wasserstand des Krebsbachs stieg bis zum Sonntag deutlich an. Im Issigheimer Auengebiet sowie hinter dem Seewiesenring wurden die Wassermengen dann auch beeindruckend sichtbar. Es bildeten sich dort wieder einmal die bekannten „Seenlandschaften“. Den Wasserstand des Krebsbaches konnte man von den Brücken herunter teilweise bedrohlich nach oben steigen sehen (unsere Bilder).

Insgesamt konnte das Hochwasser aber unter Kontrolle gehalten werden. Besonders die Au zwischen Ober- und Niederissigheim hat dabei wohl wieder einmal ihre Funktion als Regen-Rückhaltebecken mit gutem Erfolg erfüllt. Denn seit man diesem weitläufigen Gebiet vor einigen Jahren auf Höhe des Schützenhauses einen Deich mit Durchlassöffnung vorgebaut hat, lässt sich das Wasser dort sammeln und aufhalten. Dies führt dann immer mal wieder zu einer hübsch anzuschauenden „Seenlandschaft“. Das Wasser kann dann, wie durch ein Ventil, geregelt an den durchfließenden Krebsbach abgegeben werden. Somit lässt sich die Belastung des Krebsbaches begrenzen - das Wasser kann in dem landschaftlichen Auenbecken sozusagen in „Warteposition“ gehalten werden.

Jahrhundertprojekt Hochwasserschutz
Der Deich am Issigheimer Schützenhaus, erst vor wenigen Jahren unter der damaligen Doppel-Stadtspitze Maibach/Ringel errichtet, ist wohl eine der wirksamsten Maßnahmen gegen die früheren fatalen Überschwemmungen entlang des Krebsbachs. Die Herrichtung der Anlage kostete damals eine Million Euro und wurde auch mit Zuschüssen des Landes realisiert. Man darf heute sagen: Sie ist ein Segen. Denn viele Bruchköbeler Bürger wissen noch ein Lied aus der Zeit zu singen, als Starkregen etwa am Seewiesenring, im Bereich der Hauptstraßenbrücke oder im Kirlegebiet zu dramatischen Überflutungen in Kellern und Gärten führten – so etwa besonders schlimm Anfang der 80er und in den 90er Jahren. Das Wasser wälzte sich jedesmal in der Form eines ausgedehnten Schwalles den gesamten Krebsbach hinunter, von Nord nach Süd. Engstellen und vielfach fehlender Hochwasserschutz entlang der Ufer ließen die angrenzenden Häuser dann weitgehend schutzlos. Zudem drückte das Wasser in die Kanalisation zurück. Fehlende oder mangelhafte Rückstauventile in den Häusern sorgten darüber hinaus für vermeidbare Schäden, weil das Wasser ungehindert durch die Abflußrohre in die Keller strömte.

Seit den 80ern traf die Stadtverwaltung dann Gegenmaßnahmen. Der Durchstich des Krebsbaches am Bahndamm Niederried wurde aufwendig verbreitert, der Abfluss in Richtung Hanau verbessert. Hier ist seit den späten 80ern auch ein Hebewerk in Betrieb. Entlang des Krebsbaches gibt es an mehreren Stellen Hochwasserschutzwände. Und nicht zu vergessen: Die Modernisierung des Kanalnetzes im gesamten Stadtgebiet. Dieses Jahrhundertprogramm wurde seit dem Ende der 90er über mehr als ein Jahrzehnt hinweg durchgeführt. Kanäle wurden vergrößert, an neuralgischen Stellen wurden Zwischenstau-Behälter unter die Straßendecke gebaut. Ein großer Teil der immer wieder gerne und polemisch kritisierten Verschuldung der Stadt hat seine Ursache in eben diesem Mammut-Projekt. Die positiven Auswirkungen möchte aber heute niemand mehr missen. Denn die Maßnahmen vergrößerten die Kapazität des unterirdischen Leitungsnetzes, vermutlich des teuersten und größten Bauwerkes der Stadt, ganz erheblich. Der erwähnte Deich in Niederissigheim war insoweit nur eine der vorläufig letzten Maßnahmen des Hochwasserschutzes - übrigens mit dem Effekt, dass hier ein interessanter Naturschutzbereich entstanden ist, den sich sogar Biber und Störche als Siedlungsgebiet erwählten.

Weitere Maßnahmen möglich
Wichtig zu wissen ist auch, dass Bruchköbel in Bezug auf den Hochwasserschutz nicht alleine gelassen ist. Aufgrund einer EU-Verordnung gibt es inzwischen auch für das Kinzigtal und dessen Gewässersystem einen Generalplan. Diesen informativen „Hochwassermanagementplan“ kann sich jedermann im Internet herunterladen. Für Bruchköbel sind hier weitere, zukünftig ratsame Maßnahmen bereits aufgeführt, von Fachingenieuren berechnet und beurteilt. Das erwähnte Issigheimer Auenbecken wird dort als eine erfolgreiche Maßnahme erwähnt. Ergänzend dazu wird ein weiteres Rückhaltebecken im Bereich Oberissigheim vorgeschlagen, welches für eine weitere Drosselung des Hochwasserabflusses sorgen kann. Auch seien stellenweise weitere naturnahe Aufweitungen des Krebsbaches möglich. Für gewisse Bereiche an der Hauptstraße, der Gerhart-Hauptmann-Straße und am Schwimmbad  halten die Planer auch direkten „Objektschutz einzelner Gebäude“ für wünschenswert. Erwähnt werden Möglichkeiten wie mobile Hochwasserschutzsysteme (Klappen, Platten, Barrieren), mobile Dammbalken oder robuste Aluminiumprofile für Türen, Tore, Fenster.