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Aufführung von „Gretchen 89ff“ begeistert

(Bruchköbel/pm) - Erstmalig ist das Ensemble feel-X am Freitag, den 10. November mit seiner Inszenierung des Theaterkabaretts „Gretchen 89ff“ von Lutz Hübner in Oberissigheim zu Gast gewesen. Wie kann eine einzige Szene – die berühmte „Kästchenszene“ von Goethes Faust, Reclamheft Seite 89 fortfolgende, einen ganzen Abend füllen? Und wie bringt das Wiederholen gleicher Worte, nämlich die des verwirrten Gretchens nach der ersten Begegnung mit Faust, das Publikum immer wieder neu zum Lachen, aber auch zum Nachdenken? Das Stück des Autors Lutz Hübner zeigt anhand von rasant wechselnden Theaterproben der gleichen, besagten Passage, jedoch mit unterschiedlichen Regisseuren und Schauspielern, wie diese einem Theaterstück ihre Handschrift aufzwängen.

Ob nun der Regisseur als „Streicher“ sowohl seinen Bleistift als auch Gretchens Worte bis fast zur Unkenntlichkeit verstümmelt, das „Tourneerpferd“ mit „Da bist ja scho, Schazerl“ die Darstellerin mit Anzüglichkeiten einwickelt oder der „Haudegen“ mit seinem Hang zum Schwelgen in der Vergangenheit die Rezitierende zur Weißglut bringt – jeder Typus Regisseur prägt nachhaltig. Doch das auf der Bühne zu Bestaunende ist nicht allein sein Verdienst, sondern in Wechselwirkung mit dem Naturell des jeweiligen Schauspielers. So bereitet die „Diva“ in ihrer herrlich überspitzten, selbstgefälligen Art dem jungen, unerfahrenen Regisseur geradezu die Hölle auf Erden, während das männliche Gretchen mit seiner weibischen Interpretation der Rolle die „Dramaturgin“ zum Abgang bringt.

Die Darsteller/Innen von feel-X rund um den Initiator Felix Wiedergrün hauchten diesen und anderen Charakterköpfen mit viel Witz und Kreativität gekonnt Leben ein und strapazierten mit pointierten Dialogen die Lachmuskeln des Publikums. „Wir freuen uns sehr, dass das Ensemble aus Bad Soden-Salmünster hier in Oberissigheim so gut angekommen ist. Das bestätigt uns in unserem Ziel, das Bruchköbler Kulturleben zu bereichern. Für 2018 und 2019 hat feel-X ja bereits neue Produktionen in Arbeit. Vielleicht gelingt es uns dann erneut, sie für unsere Bühne zu gewinnen“, so Sven Kusnetzoff, der Vorsitzender des Kulturvereins Wundertüte, die diese Veranstaltung ermöglicht hat. Nach Endes des Stücks ist eines klar.

Jeder im Publikum kennt sie - die bekannten Worte Gretchens aus der Kästchenszene: „Es ist so schwül, so dumpfig hie, Und eben doch so warm nicht drauß. Es wird mir so, ich weiß nicht wie – Ich wollt, die Mutter käm nach Haus.“ Eine rundum gelungene Aufführung, die Lust auf mehr macht. „Gretchen 89 ff“ mit dem Ensemble feel-X ist nochmal am kommenden Wochenende im Spessart FORUM - Kultur in Bad Soden-Salmünster zu sehen. Weitere Informationen im Internet unter www.ensemble-feelx.de.